OPAREKROM
Kinderkrippe & Gemeindehaus
Mit den Bewohnern der Kakaocommunity planen wir eine Kinderkrippe für die Betreuung der Kleinkinder zu bauen. Das funktionale Gebäude aus Lehm wird auch als Gemeindehaus mit Trinkwasserstation, Stromversorgung und einem Aufenthaltsraum dienen.
Situation
Die Gemeinde Oparekrom liegt mitten im Kakaoanbaugebiet der Region Suhum in Ghana. Das Dorf baut Biokakao für den Export nach Europa an. Es ist nur über eine lehmige unbefestigte Straße erreichbar. Die Familien, die dort wohnen, erwirtschaften zusätzliches Einkommen durch den Anbau und Verkauf von Bambus, Paprika, Yam, Maniok, Palmöl und Palmwein. Eltern – vor allem Mütter – können sich jedoch wegen fehlender Kinderbetreuung nur eingeschränkt daran beteiligen, was die Versorgung ihrer Familien spürbar schwächt. Wasser zum Kochen, Duschen und Waschen wird während der Regenzeit in Tonnen gesammelt. Im restlichen Jahr wird Wasser aus dem Fluss geschöpft, welcher zeitweise verdreckt bzw. verseucht ist. Eine Versorgung mit Frischwasser und eine Kanalisation existiert nicht. Seit 2020 ist das Dorf an das öffentliche Stromnetz angeschlossen, doch tägliche oder mehrwöchige Stromausfälle sind keine Seltenheit.
Maßnahmen
Wir waren zuletzt im Februar 2025 vor Ort und haben nachgefragt, welche Maßnahmen helfen dem Dorf?
In den Gesprächen mit den Bewohner*innen, sowie dem Ältestenrat wurde von Beginn an der Wunsch nach Betreuung der Kleinkinder geäußert, die noch nicht in den Kindergarten oder Schule gehen können. Dies ermöglicht den Frauen die Unabhängigkeit Handel zu treiben und zu lernen.
Die Idee ist es gemeinsam ein Gebäude aus verschiedenen Materialien zu errichten, wie z.B. aus dem lokal vorhandenem Lehm. Der großzügige Hauptraum ist gut durchlüftet und temperiert und spendet Schatten. Zwei zusätzliche Räume stehen für die Beherbergung der Erziehungskraft zur Verfügung. So reduzieren sich laufende Betriebskosten. Im Gespräch steht derzeit auch ein Behandlungsraum für eine mobile Krankenstation, in der eine medizinische Grundversorgung bereitgestellt werden kann.
Unser Betriebskonzept sieht ein Gemeindehaus vor, welches nicht nur die Kinderkrippe, sondern auch eine Sanitärstation mit Frischwasserzugang für die gesamte Community integriert. Photovoltaikmodule, die auf dem Dach montiert werden, überbrücken Zeiten des Stromausfalls. Außerdem wird eine gemeinsame Kochstelle angefertigt, an welcher Mittagessen für die 10 bis 15 betreuten Kinder zubereitet wird. Abends stehen allen Bewohner*innen die Türen offen.
Die Mütter aus dem Dorf haben geplant, täglich 5 GHS für Betreuung und Verpflegung zu bezahlen.
Unser Betriebskonzept für die Kinderkrippe basiert zur Hälfte auf den Beiträgen der Eltern zur anderen Hälfte auf Zuschüssen durch Aktiv für Afrika e.V. Die verbleibenden 150 €/Monat zum Betrieb und Instandhaltung der Krippe werden von Spendenpartnern des Vereins Aktiv für Afrika e.V. übernommen. Dafür suchen wir insgesamt noch 10 (Gemeindehaus-)Partner, die bereit sind monatlich 20,00 € zu spenden. So können wir die Instandhaltung des Hauses, der PV-Anlage, Pumpe und Sanitäreinrichtungen, sowie die Entlohnung der Erzieherin und das Mittagessen für die Kinder garantieren.
Anton Ehbauer und Felix Keck übernehmen die Planung und Konstruktion des Projekts. Wir werden von Yayra Glover LTD unterstützt.
Entwurfsplanung
Geschichte und Ursprünge der Baukultur
Die Baukultur der Ashanti (Asante) entwickelte sich aus den älteren Bautraditionen der Akan-Gesellschaften und erfuhr ab dem 17. Jahrhundert mit der Herausbildung des Ashanti-Reiches eine deutliche Ausformung und Systematisierung. Mit der Etablierung von Kumasi als politischem und spirituellem Zentrum entstanden feste architektonische Typologien für königliche Residenzen, Schreine, Hofhäuser und Versammlungsorte.
Architektur war dabei untrennbar mit Herrschaft, Religion und sozialer Ordnung verbunden. Gebäude dienten nicht nur dem Wohnen oder Kult, sondern stellten sichtbare Manifestationen von Macht, Abstammung und kosmologischer Ordnung dar.
Bauwissen wurde nicht schriftlich fixiert, sondern durch Erfahrung, Ritual und mündliche Weitergabe von spezialisierten Baumeistern und Handwerkern tradiert.
Diese Form der Wissensweitergabe führte zu einer bemerkenswerten Kontinuität in Konstruktion, Proportion und Ornamentik, zugleich erlaubte sie eine flexible Anpassung an Klima, Materialverfügbarkeit und soziale Veränderungen. Koloniale Eingriffe im 19. und frühen 20. Jahrhundert, neue Baumaterialien und veränderte Lebensweisen führten jedoch zu einem tiefgreifenden Bruch in dieser Bautradition, dessen Auswirkungen bis heute im baulichen Erbe und im Verlust handwerklichen Wissens sichtbar sind.
Noch bestehende Gebäude
Von der einst weit verbreiteten ashantischen Baukultur haben sich nur wenige originale Gebäude erhalten. Besonders bedeutend sind die sogenannten Asante Traditional Buildings im Raum Kumasi, die als Schreine und ehemalige Hofanlagen bis heute überliefert sind und unter dem Schutz der UNESCO stehen. Diese Bauwerke stellen keine Wohnhäuser im alltäglichen Sinne mehr dar, sondern haben vor allem rituelle und symbolische Funktionen übernommen. Ihr Erhalt ist das Ergebnis kontinuierlicher Pflege, regelmäßiger Erneuerung der Lehmoberflächen und ihrer besonderen spirituellen Bedeutung für die Gemeinschaft. Viele andere Gebäude dieser Tradition gingen durch Vernachlässigung, klimatische Einflüsse oder den Ersatz durch Betonund Ziegelbauten verloren. Die wenigen verbliebenen Beispiele erlauben dennoch einen tiefen Einblick in die ursprüngliche Gestalt, Materialität und Symbolik ashantischer Architektur und sind heute zentrale Referenzpunkte für Forschung, Denkmalpflege und die Auseinandersetzung mit indigener Baukultur in Ghana, insbesondere im Hinblick auf nachhaltiges Bauen mit lokalen Materialien.
Formgebung und Gestalt
Charakteristisch für ashantische Gebäude ist ihre klare, bodengebundene Formensprache.
Die Bauten stehen auf leicht erhöhten Sockeln, die sowohl konstruktiven Schutz vor Feuchtigkeit als auch eine symbolische Abgrenzung zwischen Innenraum und Außenwelt bieten. Die Wände sind massiv und plastisch ausgebildet, häufig mit reliefartigen Oberflächen. Steile, weit auskragende Dächer aus pflanzlichen Materialien schützen die Lehmwände vor Starkregen und erzeugen schattige Übergangszonen. Veranden spielen
dabei eine zentrale Rolle: Sie fungieren als klimatischer Puffer, sozialer Aufenthaltsraum und Ort des Austauschs zwischen Hausgemeinschaft und Öffentlichkeit.
Traditionelle Hofbauten und die Rolle des Hofes. Das grundlegende räumliche Prinzip ashantischer Architektur ist der Hofbau. Mehrere Gebäude gruppieren sich um einen zentralen Innenhof, der als sozialer, ritueller und funktionaler Mittelpunkt dient. Der Hof ist Ort von Versammlungen, religiösen Handlungen, handwerklichen Tätigkeiten und Alltagsleben. Seine offene Struktur ermöglicht Belichtung, Belüftung und soziale Kontrolle. Zugleich spiegelt die Anordnung der Räume die soziale Hierarchie wider: Status, Geschlecht und Alter bestimmen Lage und Zugang zu bestimmten Bereichen.
Lehm als kultureller und konstruktiver Baustoff
Lehm ist das dominierende Baumaterial der ashantischen Baukultur. Er wird lokal gewonnen, von Hand verarbeitet und oft mitorganischen Zuschlägen wie Pflanzenfasern verbessert. Der Baustoff ist optimal an das feuchtwarme Klima angepasst, da er temperaturausgleichend wirkt und reparaturfreundlich ist. Die regelmäßige Instandhaltung – insbesondere das Ausbessern und Neuverputzen der Oberflächen – ist Teil des kulturellen Alltags und stärkt die kollektive Verantwortung für die gebaute Umwelt.
Adinkra-Symbole in der Architektur
Ein zentrales Merkmal ashantischer Gebäude ist die Verwendung von Adinkra-Symbolen, die als Reliefs in Lehmwände modelliert oder in Oberflächen eingeritzt werden. Diese Symbole transportieren komplexe Bedeutungen: Sie stehen für Konzepte wie Macht, Gemeinschaft, Spiritualität, Moral oder Vergänglichkeit. In der Architektur fungieren sie nicht nur als Dekoration, sondern als visuelle Sprache, die Wissen, Werte und Identität dauerhaft im Baukörper verankert. Gebäude werden so zu erzählenden Objekten, die soziale Normen und kosmologische Ordnung sichtbar machen.
Wissenschaftliche Begleitung des Entwurfes
Wir begleiten den Entwurf des „Gemeindehauses Oparekrom“ in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl und Prüfamt für Grundbau, Bodenmechanik, Felsmechanik und Tunnelbau in Pasing mit einer Forschungsarbeit. Im Zuge dieser Forschungsarbeit wollen wir herausfinden, für welche Bauweise sich der in Oparekrom örtliche Lehm am besten eignet. Kriterien hierfür sind: der örtliche Lehm selbst, die zur Verfügung stehende Arbeitskraft und der Einfluss der
Bauweise auf den Bauablauf. Die Forschungsarbeit erfolgt und in zwei Phasen:
Phase I – Weg zur Forschungsfrage und Versuchsvorbereitung
Im theoretischen Teil der Arbeit erläutern wir die Eigenschaften von Lehm als Baustoff, seine Zusammensetzung und
die Auswirkung der Zusammensetzung auf dessen Festigkeit. Die optionalen Bauweisen sind folgende:
– „Wattle and Daub“ (traditionelle Lehmbauweise in großen Teilen Ghanas)
– Stampflehm
– luftgetrocknete Lehmsteine
– mechanisch gepresste Lehmsteine
Aus Gründen des Bauablaufes entscheiden wir uns im Laufe des Entwurfes mit Lehmsteinen zu planen. Hierfür wollen wir zwei Forschungsfragen beantworten:
1. welche technischen Unterschiede weisen luftgetrocknete Lehmsteine zu mechanisch gepressten Lehmsteinen auf
und welche der beiden Methoden kommt besser ohne Zement aus
2. Wie lässt sich im Mauerwerksbau ein zementfreier Ringbalken herstellen
Phase II – Durchführung praktischer Versuche
Die Korngrößenverteilung des Lehms aus Oparekrom hat gezeigt, dass dieser folgende Zusammensetzung hat: 50 %
Kies und Sand, 35% Schluff, 15% Ton. Diese Zusammensetzung eignet sich hervorragend zur baulichen Verwendung.
Ab April 2026 werden wir mit dieser Korngrößenverteilung luftgetrocknete und mechanisch gepresste Lehmsteine im Labor herstellen. Die Belastbarkeit dieser beiden Produktionsweisen werden wir in Vergleich setzten.
Im Weiteren werden wir einen Prototypen unseres zementfreien Ringbalkens herstellen um diesen zu testen.
Modell
Ziel
Ein Gemeindehaus aus lokaler Lehmbauweise, welches dem Dorf folgende wichtige Infrastruktur bereitstellt:
- Betreuung der Kleinkinder
- Zubereitetung von Mittagessen für die betreuten Kinder an einer Kochstelle
- Gemeinschaftsraum für die Dorfbewohner*innen
- Zugang zu sauberem Frischwasser mit einem Tiefbrunnen
- Natur-Toiletten für die Kinder und Betreuerinnen
- PV Anlage mit Zwischenspeicher und Ladestation
Die Planung des Gebäudes und seiner Funktionen ist schon im Gange. Wir sind dafür in regelmäßigem Austausch mit der Community Oparekrom. Die Umsetzung des Baus ist geplant für Februar bis April 2027, nachdem eure Spenden das Vorhaben ermöglicht haben.
Projektdetails
Aktuell planen wir ein praktikables Betreibermodell mit den Dorfbewohner*innen. Mit Hilfe von Partner*innen für das Haus kann der Betrieb finanziert werden. Weitere Infos finden Sie auf unserer Webseite.
Projektkosten
ca. 23.000 €
Projektleiter
Anton Ehbauer / Felix Keck / Owusu Kwasi
Planung / Konzept
Anton Ehbauer / Felix Keck
Projektzeitraum
Februar-Mai 2027
Die Planung des Gebäudes und seiner Funktionen ist schon im Gange. Wir sind dafür in regelmäßigem Austausch mit der Community Oparekrom. Die Umsetzung des Baus ist geplant für Februar bis April 2027, nachdem eure Spenden das Vorhaben ermöglicht haben:
Jetzt Spenden
Wir freuen uns über jede Spende, so dass wir bald mit dem Projekt starten können. Spenden Sie gerne einfach über betterplace oder direkt auf unser Vereinskonto mit dem Betreff „Kita in Oparekrom“ in der Überweisung.
